Die Landwirtschaft wird von einem grossen Teil unserer Bevölkerung immer noch als ein wichtiger Teil unserer Volkswirtschaft wahrgenommen. Landwirtschaft verbindet sich in erster Linie mit der Produktion von Nahrungsmitteln und der Pflege und Vielgestaltigkeit unserer Landschaft. Die Landwirtschaft ist ein Teil unserer nationalen Identität, sie steht aber auch als Ausdruck für ein komplexes System, das eine Vielzahl von Aufgaben und Funktionen umfasst, die für die ganze Gesellschaft von lebensbestimmender Bedeutung sind. Der Agrarartikel 104 unserer Bundesverfassung umschreibt dies seit mehr als zehn Jahren in erhellender Klarheit: Ernährungssicherung, Schonung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser, Luft, Pflege der Kulturlandschaft, Erhaltung der Artenvielfalt und Respektierung des Tierwohls. Die nachhaltige landwirtschaftliche Nahrungsmittelproduktion auf der Basis von bäuerlichen Familienbetrieben ist die sicherste Voraussetzung, um diese multifunktionalen Zielsetzungen dauerhaft zu erreichen. Der so verstandene gesellschaftliche Leistungsauftrag ist jedoch gefährdet, wenn der Landwirtschaft das wirtschaftliche Fundament weg zu brechen droht. Es gibt einige Indikatoren, die auf diese realen Gefahren hinweisen.
Die zunehmende Liberalisierung der Agrarmärkte führt zu wirtschaftlichen Verschärfungen, die für jeden landwirtschaftlichen Betrieb in unserem Land zu einer dauerhaften Herausforderung werden. Es stellen sich schwierige, unbequeme, einzelbetriebliche Fragen der Zukunftsbewältigung, Fragen zur Bereitschaft von gemeinsamen, überbetrieblichen Lösungsansätzen, aber auch Fragen zur Investitions- und Risikobereitschaft. Die Landwirtschaft ist extrem gefordert, zielgerichtet, sachlich und durchdacht ihren Weg zu gehen, damit sie in diesem harten politischen und wirtschaftlichen Spannungsfeld ihre Positionen langfristig halten kann. Es braucht von den politischen Entscheidungsträgern mehr Klarheit, Überzeugung und schliesslich auch den Willen und den Glauben, am Modell einer produktionsorientierten Landwirtschaft festzuhalten. Und ganz explizit ist die Landwirtschaft darauf angewiesen, diese Signale und Bekenntnisse zu wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verbundenheit auch von ihren Partnern am Markt, von der Nahrungsmittelindustrie, dem Detailhandel und den Konsumentinnen und Konsumenten zu empfangen. Die Schweizer Landwirtschaft hat mit ihrer Ausrichtung auf Qualität und ihrem Selbstverständnis für die multifunktionalen Aufgaben gute Karten, die sie in Zukunft noch besser, selbstbewusster und mutiger spielen sollte.
Die Absichten unserer Landesregierung, die Agrarmärkte baldmöglichst über ein WTO-Abkommen, über verschiedene bilaterale Freihandelsabkommen und über ein umfassendes EU-Agrarfreihandelsabkommen zu liberalisieren, sind gesellschaftspolitisch sehr fragwürdig. Unter Berücksichtigung der angedachten kurzen Reaktionszeiten sind sie gar unverantwortlich. Die vorgeschlagenen Begleitmassnahmen müssen leider als eine Anleitung zur Selbstaufgabe interpretiert werden. Es ist eine Illusion zu glauben, dass das Ungleichgewicht von zunehmend globalisierten Produkterlösen und regionalisierten Kosten, wie hohen Lohn- und Standortkosten, und den Kosten für die Erfüllung unterschiedlicher Sozial- und Umweltstandards über (zeitlich befristete) gesellschaftliche Ausgleichszahlungen korrigiert werden könnte. Vielleicht braucht es mehr politisches Geschick und das Verständnis über diese Zusammenhänge, um einen gangbaren Weg aus diesem offensichtlichen Dilemma zu finden. Die Landwirtschaft ist ein fester Teil unserer Gesellschaft, der nicht einfach so heraus gebrochen werden kann. Im gesellschaftlichen Verbund muss sie eine plausible Preis-Leistungs-Strategie entwickeln, um ihre nationalen Marktanteile bei zunehmend offeneren Grenzen verteidigen zu können.
Der Zürcher Bauernverband glaubt an eine zukunftsfähige Landwirtschaft, die bereit ist, mit einem hohen Mass an unternehmerischer Freiheit und Selbstverantwortung die vielfältigen Herausforderungen wahrzunehmen. Unser Leitbild entspricht unseren Überzeugungen. Wir setzen uns glaubwürdig für die Interessen unserer Bäuerinnen und Bauern und für die langfristigen wirtschaftlichen Perspektiven der Zürcher Landwirtschaft ein. Durch unsere umfassenden Beratungsdienstleistungen, durch unsere politische Hintergrundarbeit und durch unsere guten Kontakte zur bäuerlichen Basis sind wir dauernd am Pulsschlag der Zürcher Landwirtschaft. Im Alltag sind wir mit einer Vielzahl von Fragen, Anliegen und Stellungnahmen konfrontiert, die sich auf kantonaler oder nationaler Ebene stellen. Sie können sich darauf verlassen, dass wir uns beständig und lösungsorientiert für die Interessen unserer Landwirtschaft einsetzen. Um die Abläufe in unserem Verband noch effizienter und zeitgemässer führen zu können, sind wir bestrebt, unsere verbandlichen Strukturen umfassend zu reorganisieren. Die Grundlage dazu sind die revidierten Statuten, welche an der letzten Delegiertenversammlung einstimmig verabschiedet wurden. Zwischenzeitlich sind intensive Vorarbeiten geleistet worden, die es erlauben werden, die vielfältigen Aufgaben unseres Bauernverbandes mit neuem Effort und Tatendrang anzugehen.
Der ZBV war auch im abgelaufenen Jahr in verschiedene Projekte mit der Kantonalen Verwaltung und mit Partnerorganisationen eingebunden. Zu erwähnen ist hier die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Strickhof, wo die Bildungskommission und ihre Exponenten ganze Arbeit geleistet haben. Die Reform der landwirtschaftlichen Berufsbildung scheint in unserem Kanton auf gutem Weg zu sein, obschon hier viel Neuland betreten wird, das sich vorab noch bewähren muss. Die kantonsweit aktualisierte Erhebung der Fruchtfolgeflächen war ein Projekt der Fachstelle Bodenschutz, das einen regen Gedankenaustausch mit dem ZBV nötig machte und diesen auch bestärkt, sich politisch weiterhin für den Schutz des Kulturlandes und den Nutzungsvorrang der Landwirtschaft einzusetzen. Im Rahmen einer weiteren Arbeitsgruppe mit dem ALN werden derzeit Massnahmen geprüft, wie sich die Zürcher Landwirtschaft in einer praxistauglichen Form am Ressourcenprojekt Luft des Bundes beteiligen kann. Ziel dieses Programms ist es, mit der gezielten Unterstützung von technischen Massnahmen die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft wirksam einzudämmen.
Ein zunehmend schwierigeres Feld ist der ganze Bereich der Baubewilligungen ausserhalb des Siedlungsgebietes, wo von den Gesuchstellern sehr häufig unsere Beratungsdienste in Anspruch genommen werden. Wir stellen fest, dass auf Stufe Bewilligungsbehörde eine sehr restriktive Praxis gefahren wird, die unter gewissen Rahmenbedingungen und mit Unterstützung von einspracheberechtigten Organisationen einer eigentlichen Verhinderungspolitik gleichkommt. Dieser Zustand ist sehr unbefriedigend und muss mit politischen und juristischen Mitteln korrigiert werden.
Ein weiterer Aufgabenbereich, der viel zu reden gab und viele Tierhalter beschäftigte, war die Blauzungenimpfung. Der ZBV vertrat hier stets eine sehr pragmatische, lösungsorientierte Haltung. Er beteiligte sich an der vom zuständigen Regierungsrat eingesetzten Fachgruppe, welche von Prof. Michael Hässig von der Vetsuisse-Klinik Zürich geleitet wurde und welche zum Ziel hatte, die mögliche Kausalität von Impfung und Tiergesundheit anhand von Praxisbetrieben abzuklären. Die unakzeptablen Umstände, wie das Kantonale Veterinäramt versuchte, auf den Prozess und die Interpretation der Ergebnisse Einfluss zu nehmen, haben zu einer tiefgreifenden Verspannung mit dieser Verwaltungsinstanz geführt, die bis dato nicht gelöst werden konnte.
Es ist leider eine Realität, dass generell im Umgang der Verwaltung mit härteren Bandagen gekämpft werden muss. Das sind Prozesse, welche viel Zeit, Kraft und Taktgefühl erfordern und solange kein Problem sind, als die Grundsätze von Respekt und Anstand gewahrt bleiben. In diesem Sinne sei der herzlichste Dank all jenen Personen in Verwaltung und Politik ausgesprochen, die sich in einem zunehmend schwierigeren Umfeld glaubwürdig und mit einem breiten Engagement für eine zukunftsfähige Landwirtschaft einsetzen.
Ich danke ganz besonders unserem Geschäftsführer, Dr. Ferdi Hodel, und allen unseren tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihren sehr wertvollen, grossen persönlichen Einsatz, und allen Vorstands- und Kommissionsmitgliedern für die aktive, loyale Unterstützung. Ihr Engagement ist unser gemeinsamer Erfolg. Schliesslich danke ich Ihnen, liebe Mitglieder, Bäuerinnen und Bauern, für das grosse Vertrauen, das Sie uns entgegen bringen. Dieses gibt uns die Motivation, uns mit Überzeugung für Ihre Interessen und Anliegen einzusetzen. Ich wünsche Ihnen alles Gute.